Druckansicht Landschulheim Schloss Heessen



Orientierung bieten

Der Leistungskurs Kunst (Alexander Bienek, Philip Cryns, Maren Glunz, Marie Glunz, Donna Kessler, Anna Kielb-Rumeld, Jana Krause, Marie-Theres Lipp und Raphael Pähler) des Landschulheims malt Bilder für die Intensivstation.
Sie hängen über den Betten und sind Blickfang für die Schwerstkranken.

Viel Lob und kaum Kritik gibt es für das jüngste Kunst-Projekt, das die St. BARBARA-Klinik gemeinsam mit dem Landschulheim Schloss Heessen durchgeführt hat. Die neun Schüler des jetzigen 13er Leistungskurses Kunst von Lehrer Carsten Spiegelberg haben Bilder für die 18 Plätze in den zwölf Patientenzimmern auf der operativen Intensivstation geschaffen. Die Werke hängen jedoch nicht an den Wänden, sondern „schweben“ über den Betten. Damit dienen sie den Patienten als Blickfang, bieten Abwechslung fürs Auge und regen zum Denken an.
Wie wichtig eine solche Orientierungshilfe ist, macht die Stationsleiterin Annegret von den Berg deutlich. Viele Patienten seien querschnittsgelähmt und könnten sich kaum bewegen. Zudem gebe es Patienten mit Hirntrauma, die vorübergehend verwirrt seien. Alle hätten ihr im Nachhinein bestätigt, dass die Bilder eine große Hilfe gewesen seien, ein Stück Normalität zu finden, berichtete von den Berg.
Dabei galt es auf dem Weg zur jetzt gefundenen Lösung etliche Schwierigkeiten zu überwinden. Zum einen zog sich das Projekt außergewöhnlich lange hin. Erste Gespräche wurden bereits im Mai des vergangenen Jahres geführt. Die ersten Bilder lieferten die Schüler vor den Sommerferien ab. Bis eine Rückmeldung aus der Klinik kam, dauerte es bis zum Herbst. Den zweiten Schwung an Kunstwerken bekam die Klinik im Oktober vergangenen Jahres. Abschluss war gestern Vormittag.
„Wir mussten zuerst eine Methode finden, wie man die Bilder aufhängen kann, denn einfach Dübel in die Decke schrauben, geht nicht, da wir auf der Intensivstation Kühldecken haben“, erläuterte von den Berg. Dann galt es, die Rückmeldung der Patienten zu bekommen. „Zudem müssen wir immer warten, bis ein Zimmer kurze Zeit leer steht und gleichzeitig ein Handwerker verfügbar ist“, erklärt von den Berg die lange Zeitdauer. Jetzt werden die Bilder an Drahtseilen aufgehängt, die von Wand zu Wand gespannt sind. Dabei ist das hintere Seil etwas tiefer, um den Patienten einen noch besseren Blickwinkel zu garantieren.
Herausfinden mussten die Schüler auch, welcher Untergrund am besten geeignet ist, um Luftzirkulation zuzulassen und dennoch Farbe tragen zu können. Ebenso müssen die Farben waschbeständig sein, damit die Hygienevorschriften eingehalten werden. Schließlich galt es, leichte, helle und leicht erkennbare Motive zu finden.
Um die Aufgabe zu bewältigen, setzten sich die Schüler intensiv mit der Situation der schwerstkranken Patienten auseinander. Vor Ort, in der zunächst beklemmenden Atmosphäre der Station, betrieben sie Feldforschung und lagen zum Beispiel für längere Zeit in einem Krankenbett.
„Es ist ihnen gelungen, für diese Menschen in einer extremen Lebenssituation etwas zu gestalten“, lobt Werner Messink von der Pfegedienstleitung die Schüler. Auch von ärztlicher Seite habe er sehr viele positive Rückmeldungen erhalten, berichtete er. Für die Klinik sei es wichtig gewesen, erneut andere in die Arbeit mit einzubeziehen. Es war bereits das dritte Projekt mit Schülern des Landschulheims. Das füge sich sehr gut ins Leitbild des Hauses ein. Er beglückwünschte die Schüler und dankte ihnen für ihr außergewöhnliches Engagement.
(J. Best, Westfälischer Anzeiger, 30.01.2007)