Druckansicht Landschulheim Schloss Heessen



AUSTRALIEN 2011

 

Fast ein Jahr lang fieberten alle, Schüler und Lehrer, dem 10. Oktober 2011, 15:30 Uhr entgegen. Zu diesem Zeitpunkt verließen wir Hamm, um insgesamt 23 Tage und fast 20 Stunden voller spannender Begegnungen, spektakulärer Landschaften, faszinierender Städte und Entfernungen von unzähligen Kilometern auf der anderen Seite des Globus zu verbringen und zurück zu legen.

Unser erster Anlaufpunkt war das St Peters Lutheran College in Brisbane, der Hauptstadt von Queensland. Die Vorfreude war riesig, denn seit dem Besuch der Australier in Hamm war inzwischen ein Jahr vergangen und man sah sich endlich wieder. Wir hatten die Gelegenheit sowohl das Schul- als auch das Alltagsleben down under authentisch zu erleben. Für uns beeindruckend waren die vielfältigen Unterrichtsaktivitäten in Verbindung mit einer für uns ungewohnt üppigen und hochwertigen Ausstattung der einzelnen Arbeitsplätze z.B. im Computerraum. Dies veranlasste einige von uns, sich zu fragen, ob sie vielleicht in ihrem bisherigen Leben irgendetwas falsch gemacht haben.

 

Das erste Wochenende war aus Schulsicht ein langes Wochenende, da bedingt durch den Konferenztag am Montag für die Schüler ein langes Wochenende anstand. Hier zeigte sich auch, dass es keinen so großen Unterschied zwischen australischen und deutschen Schülern gibt. War der Montag ein sogenannter Students‘ Day und waren die Schüler doch eigentlich mit entsprechenden Aufgaben versorgt, die es zu bearbeiten galt, so hielten sie es eher mit dem Grundsatz: Keine Schule bedeutet frei und verlängertes Wochenende.

Die Gastgeber legten sich mächtig ins Zeug, um unseren Schülern etwas Besonderes zu bieten.

Bei dieser Gelegenheit wurde der Wortschatz mit Sicherheit um verschiedenste Vokabeln erweitert, eine davon mit besonders vielschichtigen Bedeutungen ist wohl das Wort „awesome“.

 

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Nach gut einer Woche kam bereits die Stunde des Abschieds, denn unser nächstes Ziel hieß Cairns, eine Stadt im tropischen Norden von Queensland. Schon beim Verlassen des Flugzeuges wurde der Unterschied zu Brisbane deutlich. Nicht nur bezogen auf das Klima bot sich uns ein krasser Gegensatz. Das Leben hier ging langsamer und die zahlreichen Bars der Stadt waren schon vormittags gut besucht – aber nicht von uns!!!

 

Cairns verdankt seine Existenz dem Bergbau, der auch heute noch eine Rolle spielt. Doch durch die Lage zwischen tropischem Regenwald und dem Great Barrier Reef gewinnt der Tourismus zunehmend an Bedeutung. Daraus resultieren vielfältige Angebote, von denen wir natürlich auch Gebrauch machten.

 

In unserer Unterkunft waren viele Backpacker, deren Lebensweise schnell auch zu unserer wurde. Aufgrund der gut ausgestatteten Küche wurden wir schnell zu Selbstversorgern. Wir, die Begleiter, sahen dem ersten Frühstück mit etwas gemischten Gefühlen entgegen und waren sehr erfreut darüber, wie gut das Ganze über die Bühne ging. Einige übernahmen die Initiative auch später beim Abendessen. Alle waren bereit anzupacken, wo immer eine helfende Hand gebraucht wurde, sogar beim unvermeidlichen Abwasch, der ja bei 22 Personen nicht gerade gering ausfällt. Der gefragte Gemeinschaftssinn stellte sich schnell ein. An dieser Stelle nochmals ein Lob an die Köche des gemeinschaftlichen warmen Abendessens – „Reis mit Reis mit Reis mit einer sehr leckeren Hähnchenpfanne“ !

 

Die besonders intensive Wirkung der Sonne Australiens konnten einige bei unserem Ausflug zum Great Barrier Reef erfahren und noch bis zu unserer Ankunft in Sydney und darüber hinaus spüren. Aber auch hier wurde erfreulicherweise der Gemeinschaftssinn unter den Schülern deutlich. Helfende Hände versorgten unsere Sonnenbrandgeschädigten mit Creme und Spray und trugen ihre Koffer und Rucksäcke.

Die erste Begegnung mit der Weltstadt Sydney gestaltete sich in Form eines Blitzbesuches - einmal Weltstadt schnuppern, Übernachtung, das Nötigste einpacken, und das restliche Gepäck einschließen, ging es auf dem Landweg ins Outback nach Lightning Ridge. Die zehnstündige Anreise mit Bahn und Bus wurde von den australischen Fahrgästen völlig gelassen und als selbstverständlich betrachtet, eine für uns neue Erfahrung. Dubbo, das auf halber Strecke liegt und einen sehr bekannten Zoo hat, wird von Schulklassen aus Sydney gerne als Ziel für einen Tagesausflug genutzt.

 

Einige unserer Schüler gaben sich lieber der Vorstellung hin, dass zehn Stunden Fahrt einfach strapaziös sein müssen und im Outback Zelte auf uns warten, in denen wir dann übernachten sollten. Wie auch immer, am Ende kamen wir wieder mal in einer völlig anderen Welt an. Das „Städtchen“ Lightning Ridge, offiziell ca. 2000 Einwohner – nach Schätzungen der Post eher 8000 – mitten im australischen Busch war mit Nichts zu vergleichen, was wir bisher gesehen hatten.

 

Hier leben Menschen draußen auf ihren Claims, wo sie nach Opalen suchen, jahrelang ohne elektrischen Strom und ohne Wasserleitung, in selbstgezimmerten Unterkünften, die außer einem Dach über dem Kopf, einem Bett und einer Kochstelle keinen weiter Komfort bieten, und dementsprechend nur selten bis gar nicht über Handyempfang oder Internetzugang verfügen. So machten auch wir uns immer wieder mit dem Handy in der Hand auf die Suche nach der Stelle, an der die meisten Balken zu verzeichnen waren, was, so munkelt man, gelegentlich zu einer Massenansammlung von deutschen Schülern geführt haben soll.

 

Bei einer Rundfahrt im Bus, die mit anderen Stadtrundfahrten keinerlei Ähnlichkeiten hatte, erfuhren wir, dass nahezu alles, was hier von Menschenhand erschaffen wurde, untrennbar mit einer persönlichen Geschichte verbunden ist. Es war hier hautnah zu erleben, dass die Geschichte von Lightning Ridge die Geschichte der Menschen ist, die hier lebten und leben. Aber auch wir können eine kleine Geschichte zu Lightning Ridge beitragen, die im Zusammenhang mit den Opalminen steht. Bei der Besichtigung des „Chamber of the Black Hand“, das unter der Erde gelegen ist, stellte sich uns die Frage wie die Opal Miners wohl den Zugang zu ihren Minen erstellt haben, von oben nach unten oder doch eher von unten nach oben. Eine Frage, die eigentlich leicht zu beantworten war.

 

Die Erfahrungen des ersten Tages wurden am folgenden Tag vertieft, als zwei Aboriginal Elders ihre Geschichte erzählten, die bis in die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreicht.

 

Die Schönheit/Besonderheit des Outbacks konnten wir bei der abendlichen Betrachtung des Sternenhimmels erfahren. Die Vielzahl der funkelnden Sterne am Himmel war für einige ein überwältigendes Erlebnis. So ließ man sich dazu hinreißen, sich auf die Straße zu legen, um sich sein Gegenüber, den Sternenhimmel besser sehen zu können – den möglichen Schlangen zum Trotz.

 

Der letzte Szenenwechsel ergab sich dann bei unserer Rückkehr nach Sydney. Wir erlebten zum Abschluss eine völlig andere Seite des Kontinents: Sydney, traumhaft am pazifischen Ozean gelegen, bietet mehr als eine Weltstadt eigentlich bieten kann. Trotz der Größe der Stadt erledigten wir fast alle anstehenden Programmpunkte zu Fuß. Auf diese Weise entging uns kein Geschäft und wir konnten viele interessante Besonderheiten der Stadt entdecken. Allerdings zog es einen Teil von uns immer wieder an mittlerweile liebgewonnene Plätze zum Shoppen oder einfach zum Genießen. Der einzige Weg, den wir mit der U-Bahn zurück legten, war der des „LSH Culture Clubs“ zum Sydney Opera House, zur Abendvorstellung von Don Giovanni. Der Wind hätte wohlmöglich die Arbeit der vorherigen Stunden zerstören können. Für uns Lehrer stellte der Besuch des Sydney Opera Houses den Höhepunkt der Tage in Sydney dar, den Höhepunkt aber noch nicht das Ende.

 

Denn am nächsten Tag fuhren wir per Bus in die Blue Mountains, die uns bei schönstem Sonnenschein zeigten, warum im Namen dieser faszinierenden Bergwelt das Wort „Blue“ steht. Am Anfang der Bustour gab es schon ein kleines Highlight: Wir überquerten die Harbour Bridge, die wir vorher aus allen möglichen Blickwinkeln unzählige Male abgelichtet hatten. Danach zeigte sich aber, dass die Aufnahmefähigkeit eine gewisse Grenze erreicht hatte. Der Blick in die hinteren Busreihen, die vorderen blieben leer, traf Augen, die entweder geschlossen waren oder die Geschehnisse in einem der unvermeidlichen Mäusekinos verfolgten. Die Frage des Tages, “müssen wir aussteigen?“, wurde bei jedem Halt mehrfach vorgetragen.

 

Gegen Mittag und nach 100 km erreichten wir die „Three Sisters“, eine Bergformation fast so berühmt wie der Uluru, für australische Entfernungsbegriffe im Vorgarten von Sydney. Hier blieb die Tagesfrage aus, klar, - es gab Mittagessen. Danach ging es auf Schienen steil bergab mitten in einen subtropischen Regenwald. Dort konnten wir auf befestigten Stegen einen Rundgang machen, der so viel Sehenswertes bot, dass unserem Hoffotographen der Fotofinger glühte. Anschließend ging es mit der Seilbahn wieder nach oben und zurück nach Sydney. Die letzten Kilometer der Fahrt legten wir mit dem Schiff auf dem Parramatta River zurück. In Sydney angekommen posierten wir noch für unser Abschiedsfoto mit Flagge.

 

Leider sind nicht alle drauf, die Krankenschwester und ihr Patient fehlen.        

Kurz vor unserer Abreise stellte Qantas im Arbeitskampf den Flugbetrieb ein. Unser Termin für den Rückflug stand also auf wackligen Füßen. Auch wenn unsere Schüler befürchteten, verspätet nach Hause zu kommen, wir wären gerne noch ein paar Tage geblieben, um das besondere Flair dieser Stadt zu genießen.

 

Am 03.11.2011 um 10:02 Uhr erreichten wir unseren Ausgangspunkt, den Bahnhof in Hamm, wo die Eltern uns schon sehnsüchtig erwarteten. Die Wiedersehensfreude war so groß, dass wir gar nicht mitbekamen, wie einige unserer „Aussie-Kinder“ wieder in den Schoß ihrer Familien verschwanden.

 

Für uns begleitende Lehrer bleibt abschließend nur noch Eines zu sagen:

„Das war awesome!“

(Heike Kuhls-Robert und Reinhard Schreiber)